Letzte Aktualisierung: 30. Januar 2019

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Digitale Agenda Bund und Bayern

In einem Kongress am 18. Januar 2019 mit 145 Teilnehmern hat die vbw mit Vertretern aus Wirtschaft und Politik diskutiert, was ganz oben auf die digitale Agenda von Bund und Freistaat gehört. Vorgestellt wurden auch die Ergebnisse einer aktuellen vbw Studie zu digitalen Plattformen.

In seiner Begrüßung betonte Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt die zentrale Bedeutung innovationsfreundlicher Rahmenbedingungen für die digitale Transformation, zu denen der Zukunftsrat der Bayerischen Wirtschaft seit Jahren konkrete Handlungsempfehlungen mache. Vieles davon sei inzwischen im Bund und vor allem in Bayern auf den Weg gebracht, aber es handle sich um einen dynamischen Prozess, in dem ständig nachgesteuert werden müsse. Entscheidend sei es dabei immer, Überregulierung zu vermeiden, etwa im Hinblick auf die Verwendung von Sachdaten, und auf den möglichen Nutzen neuer Technologien hinzuweisen.

Digitale Plattformen

Plattformen haben eine Schlüsselrolle in der digitalen Wirtschaft und werden zunehmend auch in Industrie bzw. industrienahen Dienstleistungen eingesetzt. Die vbw hat daher ihre wirtschaftliche Bedeutung in einer aktuellen Studie analysieren lassen, die deren Autor Dr. Karl Lichtblau, Sprecher der Geschäftsführung der IW Consult GmbH, vorstellte. Zu den zentralen Erkenntnissen zählt, dass der Verbreitungsgrad von digitalen Plattformen in der Industrie sowie ihr Wertschöpfungsanteil bereits hoch ist und die Bedeutung aus Sicht der Unternehmen weiter steigen wird. Wesentliche Hemmnisse seien vor allem Unsicherheiten im Umgang mit Daten und fehlende Standards.

Eine wichtige deutsche Industrieplattform ist die von Siemens entwickelte MindSphere, die quasi als Betriebssystem für das Internet der Dinge konzipiert ist. Dr. Lütke-Entrup, Head of Technology and Innovation Management bei der Siemens AG und Mitglied im Zukunftsrat, erläuterte ihre Funktionsweise. Wichtig sei, dass bei Regulierungsvorhaben nicht alles über einen Kamm geschoren werde: es gebe bei Industrieplattformen keine vergleichbaren Monopolstrukturen wie bei einigen Konsumentenplattformen, und es gehe um Sachdaten. Plattformen spielen auch für die Organisation der Mobilität eine zentrale Rolle. Dr. Tobias Miethaner, Abteilungsleiter Digitale Gesellschaft im Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur, betonte, dass der Bund darin großes Potenzial für neue Angebote sehe. Er hob hervor, dass es eine Reihe deutscher Anbieter gebe, die vom Ministerium – als Alternative, nicht als Ersatz für bestehende Geschäftsmodelle – unterstützt würden, etwa über die mCloud und den mFund.

Digitale Start-ups

Viele Innovationen werden von jungen Unternehmen hervorgebracht, weshalb der Freistaat Bayern mit digitalen Gründerzentren Start-ups aus diesem Bereich besonders unterstützt. Ein Beispiel für ein Start-up mit digitalem Geschäftsmodell ist die WeWash GmbH aus München. Geschäftsführer Dr. Rafael Kirschner erläuterte, dass wesentliche Faktoren für die erfolgreiche Startphase neben einer stabilen Finanzierung und dem entgegengebrachten Vertrauen vor allem auch die zentral gelegenen Geschäftsräume im Werk 1 in München gewesen seien.

Markus Blume, Generalsekretär der CSU, ergänzte, dass dort wie auch in Bayern insgesamt eine große Chance in der Vernetzung von Start-ups mit etablierten Unternehmen liege. Der Staat müsse solche Begegnungspunkte ebenso schaffen wie die technischen Möglichkeiten, damit der Gründer beispielsweise schnell einen Prototypen bauen könne. Insgesamt sei Bayern hier schon gut aufgestellt. Einig waren sich die Teilnehmer darüber, dass vergleichsweise wenig mit den bzw. für die „eigenen“ erfolgreichen Start-ups geworben werde.

Künstliche Intelligenz und Big Data

Erst mit einer intelligenten Nutzung von Daten kann das Potenzial der Digitalisierung ausgeschöpft werden. Die vbw hält es daher für entscheidend, in den Bereichen Künstliche Intelligenz und Big Data eine globale Führungsrolle anzustreben und entsprechende flankierende Maßnahmen von staatlicher Seite einzuleiten. Die Unternehmensvertreter sehen die deutsche Wirtschaft, namentlich die KMU, bei der Anwendung im Betrieb eher auf einem vorsichtigen Kurs. Es bleibe wichtig, Informationen beispielsweise über die im Rahmen des geltenden Datenschutzrechts bestehenden Möglichkeiten oder notwendige Vorkehrungen für IT-Sicherheit verständlich aufzubereiten. Einig waren sich alle Teilnehmer außerdem darüber, dass von den Möglichkeiten her gedacht werden müsse. Diskutiert wurden ferner Handlungsoptionen im Hinblick auf Forschungsstandort und Fachkräftesicherung.

Digitale Arbeitswelt und Bildung in der digitalen Transformation

In der abschließenden Runde wurden das vom Publikum zuvor mehrheitlich ausgewählte Thema diskutiert. Dr. Lütke-Entrup erläuterte am Beispiel der Normung, wie sich die Arbeit durch den Einsatz digitaler Technologien verändere: insbesondere sei eine wesentlich frühere Erprobung möglich und die Tätigkeit werde deutlich interessanter. Dr. Kirschner ergänzte, dass es sowohl für die Mitarbeitergewinnung und Bindung als auch die Agilität des Unternehmens nicht auf Symbole wie Kicker, Post-its oder Kaffee ankomme, sondern auf Entscheidungsspielräume und sinnstiftende Tätigkeiten. Am Beispiel der Siemens AG wurde der hohe Aufwand skizziert, der für Umschulungs- und Weiterbildungsmaßnahmen betrieben wird, unter anderem mit Online-Kursen. Dr. Miethaner betonte, dass schon im schulischen Bereich die Vermittlung von Lerntechniken wichtiger werde als die von Wissen. Virtuelle Universitäten könnten ein weiteres Element auch für spätere Phasen des Berufslebens sein. MdL Blume ergänzte, dass angesichts der Veränderungsgeschwindigkeit nicht abgeschätzt werden könne, welche berufliche Qualifikation in zehn oder 20 Jahren gebraucht werden. Bildung müsse daher die richtige Basis legen, einschließlich der Vermittlung eines algorithmischen Denkens als zusätzlicher Kulturtechnik. Bayern gehe mit der Einführung von Informatik als Pflichtfach voran.


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Ansprechpartner
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Christine Völzow

Leiterin Abteilung Wirtschaftspolitik
Digitalisierung

+49 (0)89-551 78-249
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