Letzte Aktualisierung: 26. Januar 2018

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Auf der digitalen Agenda: Nutzen messbar machen

Die digitale Transformation schafft einen erheblichen Mehrwert für Wirtschaft und Gesellschaft. Die Messung dieses Nutzens ist kein Selbstzweck, sondern eine Notwendigkeit. Sie dient der Entscheidungsfindung auf staatlicher Ebene (z. B. bei der Budgetierung) ebenso wie auf unternehmerischer Ebene (z. B. bei der Auswahl erfolgversprechender Digitalisierungsprojekte) und trägt im Hinblick auf jeden Einzelnen dazu bei, die Innovationsoffenheit zu stärken. Mehr dazu lesen Sie im Artikel Auf der digitalen Agenda: Innovationsoffenheit fördern.

Wertschöpfungsbeitrag der Digitalisierung: Messprobleme

Die digitale Transformation ermöglicht neue und verbesserte Prozesse, Produkte und Geschäftsmodelle. Auf Unternehmensebene werden Kosteneinsparungen und Umsatzsteigerungen realisiert. Trotzdem ergeben sich bei der Ermittlung des konkreten Wertschöpfungsbeitrags einige Schwierigkeiten. Man sollte meinen, dass der Effekt der Digitalisierung auch in den Produktivitätsstatistiken sichtbar ist, aber das ist nicht oder allenfalls sehr eingeschränkt der Fall, wie die vbw Studie Neue Wertschöpfung durch Digitalisierung (2017) zeigt.

Bisherige Ansätze – etwa die Ermittlung des Anteils der Digitalisierung am Wachstum auf Grundlage einer Patentanalyse, wie für die vbw Studie Digitalisierung als Rahmenbedingung für Wachstum (Prognos AG, 2017) und auch der in der Studie Neue Wertschöpfung durch Digitalisierung durch Hochrechnung des Anteils digitaler Produkte und Dienstleistungen ermittelte Wertschöpfungsbeitrag (332 Milliarden Euro im Jahr 2016) – sind gute Annäherungen, um die Dimension und die positiven Effekte zu verdeutlichen, aber noch keine exakten Messungen.

Ein Grund für die Messprobleme mit den Methoden der Volkswirtschaft ist die sogenannte Haushaltsproduktion, die nicht in der amtlichen Statistik erfasst wird. Hier übernimmt der Konsument (bzw. „Prosumer“) Tätigkeiten, für die er früher die Dienstleistung eines Unternehmens in Anspruch genommen hat. Bekannte Beispiele hierfür sind etwa die Buchung von Reisen durch den Kunden oder das Online-Banking.

Dabei lässt sich auch nicht pauschal sagen, ob die vom Kunden erbrachte Leistung den in der „Offline-Welt“ noch vom Unternehmen erbrachten Anteil und damit auch entsprechende Umsätze (ganz oder teilweise) ersetzt oder ob sie hinzukommt. Beides ist denkbar, unter anderem, weil die neuen Möglichkeiten vom Kunden vielfach als Gewinn empfunden werden, z. B. wegen größerer Flexibilität, und er nicht zwangsläufig im Gegenzug einen niedrigeren Preis erwartet.

Die folgende Übersicht stellt das schematisch dar:

Weitere Faktoren sind beispielsweise die zeitverzögerte Wirkung – so müssen nach der Anschaffung neuer Hard- oder Software oftmals auch die Prozesse erst noch angepasst werden und Netzwerkeffekte entstehen, bis die Investition ihren vollen Nutzen entfalten kann – oder die Verbesserung der Leistungsfähigkeit von Produkten, die mit den herkömmlichen Preisindizes nicht erfasst werden kann.

Einen Überblick hierzu finden Sie auch in den aktuellen Handlungsempfehlungen des Zukunftsrats Neue Wertschöpfung durch Digitalisierung – Analyse und Handlungsempfehlungen (2017).

Nutzen einzelner Tools für Unternehmen: fehlende Systematik

Auch auf der Branchen- und Unternehmensebene fehlt es bisher an einer systematischen Erfassung bezüglich der Rendite digitaler Tools. Das kann sich als Investitionshemmnis und damit als Bremsklotz für die digitale Transformation erweisen.

Bei der Erstellung der Studie Neue Wertschöpfung durch Digitalisierung hat sich beispielsweise in der eher kleinteilig strukturierten bayerischen Landwirtschaft gezeigt, dass diese Unsicherheit zu den entscheidenden Hemmnissen zählt: 76 Prozent der für die Studie befragten Landwirte empfinden hohe Anschaffungskosten als großes Hemmnis, 54 Prozent die Unsicherheit über den Erfolg der Investition.

In der Bauwirtschaft gibt es mit dem sog. Building Information Modeling (BIM) ein äußerst vielversprechendes digitales Tool, das zu einem deutlichen Produktivitäts- und Qualitätszuwachs führen kann, nicht aber eindeutige Aussagen über den möglichen Wertschöpfungszuwachs liefert. Ein erstes Indiz kann hierbei der heutige Fehlerkostenanteil von durchschnittlich rund 11 Prozent des Branchenumsatzes sein, der sich mit BIM massiv senken ließe.

Die Unsicherheit über den konkreten Nutzen kann auch einer der Gründe dafür sein, warum die digitale Transformation vielfach noch eher am Anfang steht. Für die Studie Neue Wertschöpfung durch Digitalisierung fand eine Erhebung unter rund 2.500 Unternehmen aus Industrie und industrienahen Dienstleistungen statt, die unter anderem eine Einschätzung des digitalen Reifegrads ermöglichte.

Von den befragten Unternehmen erreichen bisher 80 Prozent die Stufen eins und zwei, 18 Prozent befinden sich auf Stufe drei und nur zwei Prozent bereits auf der höchsten Stufe vier. Gar nicht berücksichtigt wurden bei der online durchgeführten Befragung die Unternehmen auf Stufe Null; die Gutachter schätzen ihren Anteil an der Gesamtheit der Unternehmen auf etwa 10 Prozent.

Digitalisierte Unternehmen sind erfolgreicher

Während es an systematischen und übergreifenden Aussagen noch fehlt, zeigt sich ganz deutlich, dass die Digitalisierung für diejenigen, die sich darauf bereits eingelassen haben, ganz überwiegend ein Erfolgsmodell ist.

Es gibt eine Fülle von positiven Beispielen einzelner Unternehmen, die mittels Digitalisierung beispielsweise neue Märkte erschließen konnten, ihre Prozesse effizienter gestalten, die Fehlerquote reduzieren oder neue Produkte entwickeln. Einige Beispiele finden Sie unter der Rubrik „Anwendungen“ auf der Seite www.vbw-zukunftsrat.de . Dort werden die auf den Kongressen gezeigten Exponate beschrieben.

Die für die Studie Neue Wertschöpfung durch Digitalisierung durchgeführte Befragung unter rund 2.500 Unternehmen zeigt dementsprechend auch, dass digitalisierte Unternehmen deutlich erfolgreicher sind: sie haben ein um 80 Prozent höheres Umsatzwachstum als der Durchschnitt der Unternehmen und einen um 40 Prozent erhöhten Mitarbeiterzuwachs. Von allen befragten Unternehmen, die bereits Digitalisierungsmaßnahmen durchgeführt haben, berichten 90 Prozent über erste Ergebnisse. Davon geben 50 Prozent an, ihre Ziele seien vollständig erreicht worden, 12 Prozent meinen, sie seien sogar übertroffen worden und 35 Prozent haben (bisher) immerhin Teilziele erreicht. Das zeigt: die Investitionen lohnen sich.

Handlungsbedarf

Um die digitale Transformation voranzubringen und damit mehr Wertschöpfung am Standort zu sichern, muss einerseits der gesamtwirtschaftliche Nutzen messbar gemacht werden, unter anderem durch eine Verbesserung der statistischen Grundlagen. Andererseits muss auch die Rendite einzelner Tools auf Unternehmensebene systematisch erhoben und bekannt gemacht werden.

Näheres zum Handlungsbedarf können Sie in unseren Veröffentlichungen Digitale Agenda Bund und Bayern sowie Neue Wertschöpfung durch Digitalisierung – Analyse und Handlungsempfehlungen erfahren.


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Büroleiterin des Präsidenten und des Hauptgeschäftsführers

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