Letzte Aktualisierung: 08. Februar 2018

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Auf der digitalen Agenda: Datenschutz mit Augenmaß

Der Schutz personenbezogener Daten gehört zu den zentralen Herausforderungen in der digitalen Transformation. Es ist zum einen eng mit dem Vertrauen der Nutzer verbunden und zum anderen erfordert es die Gesetzeslage, hier umfassende Vorkehrungen zu treffen.

Die Bayerischen Arbeitgeberverbände bayme vbm vbw haben Einstellungen zu verschiedenen Aspekten der Digitalisierung erhoben. Die repräsentative Umfrage im Juli 2017 hat die gms Dr. Jung GmbH durchgeführt.

Vertrauen der Bevölkerung in den Umgang mit ihren Daten

Die Bevölkerung hat gegenwärtig im Allgemeinen kein großes Vertrauen darin, dass die persönlichen Daten nicht unbefugt weitergegeben werden: nur 16 Prozent der Befragten sind sich sicher oder sehr sicher, dass dies nicht geschieht. Die Ergebnisse sind in Bayern und im Bund nahezu identisch; lediglich zwischen „eher unsicher“ (Bayern: 63 Prozent) und „völlig unsicher“ (Bayern: 17 Prozent) gibt es eine leichte Verschiebung. Hier die bundesweiten Zahlen:

Das Bild wird deutlich differenzierter, wenn das Vertrauen in bestimmte Akteure und Organisationen abgefragt wird.

Höchstes Vertrauen genießen dabei Krankenkassen und Ärzte. Das ist vor allem vor dem Hintergrund wichtig, dass im Gesundheitsbereich große Verbesserungspotenziale durch die Digitalisierung liegen (z.B. die elektronische Gesundheitskarte oder lernende Algorithmen für eine bessere Diagnose). In Bayern liegt der Wert mit gut 62 Prozent leicht niedriger als im Bund, aber ebenfalls sehr hoch.

Bedenklich stimmt dagegen, welch vergleichsweise niedriges Vertrauen Staat und Behörden entgegengebracht wird. Es liegt in Bayern mit 30 Prozent zwar etwas über dem Bundesdurchschnitt, aber immer noch auf niedrigem Niveau. Hier muss aktiv gegengesteuert werden. So können Potenziale digitaler Verwaltung voll ausschöpft werden. Gleiches gilt auch für die Automobilhersteller (Bayern: 24 Prozent), die Daten beispielsweise für Mehrwertdienste nutzen wollen. Hier mag bei der Einschätzung auch die Berichterstattung über Sicherheitslücken bei einzelnen Herstellern eine Rolle gespielt haben.

Das ist umso wichtiger, als deutsche Unternehmen zwar einen Vertrauensvorsprung gegenüber internationalen Anbietern genießen (20 Prozent bundesweit / 19 Prozent in Bayern meinen, die Daten seien dort sicherer, gegenüber sechs Prozent bei internationalen Wettbewerbern wie Google oder Amazon), die ganz überwiegende Mehrheit (69 Prozent bzw. 70 Prozent) aber keinen Unterschied sieht.

48 Prozent der Internetnutzer haben bereits negative Erfahrungen in Sachen Datenschutz bzw. Datensicherheit gemacht (Bayern 44 Prozent). Davon haben bisher bundesweit 19 Prozent der Befragten und gut 18 Prozent in Bayern eine unberechtigte Weitergabe ihrer Daten an Dritte erlebt.

Datenschutz in der praktischen Handhabung durch die Bevölkerung

Angesichts des tatsächlichen Verhaltens, insbesondere der umfassenden Nutzung auch als unsicher empfundener Dienstleistungen wie Apps, die regelmäßig eine Preisgabe von Daten erfordern, kann man allerdings die Frage aufwerfen, wie wichtig der Datenschutz dem Einzelnen wirklich ist. Dazu wurden einige zusätzliche Aspekte erhoben.

Zwar geben immerhin 59 Prozent an, die Datenschutzeinstellungen individuell anzupassen, gleichzeitig stimmen aber fast genauso viele Datenschutzerklärungen zu, ohne sie wirklich gelesen bzw. verstanden zu haben (58 Prozent). Auch ein differenzierter Blick nach Altersgruppen oder Bildungsabschlüssen zeigt keine gravierenden Unterschiede. Am seltensten werden Datenschutzeinstellungen von der ältesten befragten Gruppe (Alter über 60 Jahre: 49 Prozent) und denjenigen mit dem niedrigsten Bildungsabschluss (53 Prozent) angepasst, am häufigsten von der mittleren Altersgruppe (35 bis 44 Jahre) und den Befragten mit höchstem Bildungsabschluss (64 Prozent). Bei der ungelesenen Zustimmung zu Datenschutzerklärung sind die Abweichungen vom Durchschnittswert sogar noch deutlich geringer.

Insgesamt haben höchstens 21 Prozent (trifft voll und ganz zu / trifft eher zu) schon einmal eine Datenschutzerklärung widerrufen, am seltensten ältere Befragte über 60 (14 Prozent).

Einige verzichten nach eigenen Angaben allerdings ganz auf bestimmte Dienste, am häufigsten auf digitale Assistenten und soziale Netzwerke.

Datenschutz aus Sicht der Unternehmen

Das Anwenderverhalten und die persönlichen Einstellungen lassen noch keine sicheren Schlüsse darauf zu, welches Niveau an Datenschutz der Verbraucher tatsächlich erwartet, auch wenn die Ergebnisse nahelegen, dass praktischer Nutzen letztlich in der Regel die Bedenken überwiegt.

Für die Unternehmen bleibt es aber dabei, dass die Bestimmungen des BDSG und ab Mai 2018 auch der EU-Datenschutzgrundverordnung eingehalten werden müssen. Diese geben bereits ein hohes Transparenzniveau vor, das die Unternehmen aber schon aus eigenem Interesse gewährleisten sollten: 75 Prozent der Befragten aus der o.g. Umfrage meinen, die Anbieter von Online-Diensten sollten besser erklären, was sie mit den Daten machen.

Aus Sicht der Unternehmen stellt der Datenschutz teilweise ein gravierendes Hemmnis für ihre Geschäftstätigkeit dar, gerade bei neuen datengetriebenen Anwendungen.

Für die vbw Studie Big Data im Freistaat Bayern – Chancen und Herausforderungen (Prognos AG, 2016) wurden bayme vbm Mitgliedsunternehmen aus den Branchen Automobil- und Maschinenbau zum Einsatz von Big-Data-Methoden befragt. 100 Unternehmen, die für rund 335.000 Beschäftigte aus den beiden Branchen in Bayern stehen, haben sich an der Umfrage beteiligt.

Bei der Frage nach den entscheidenden Hemmnissen für eine stärkere Nutzung von Big-Data-Technologien gab genau die Hälfte der Unternehmen an, dass das Datenschutzrecht die Möglichkeiten begrenze.

Tatsächlich schließt aber das Datenschutzrecht den Einsatz von Big-Data-Methoden keineswegs von vornherein aus. Wichtige erste Hinweise für die Einschätzung des rechtlichen Risikos sowie für das grundsätzliche Vorgehen bei der Aufstellung einer Datenstrategie im Unternehmen enthalten die Handlungsempfehlungen des Zukunftsrats von 2016 (Zukunft digital - Big Data: Analyse und Handlungsempfehlungen).

Handlungsbedarf

Nach den aktuellen Anpassungen des Rechtsrahmens muss nun die Wissensvermittlung über Chancen und Grenzen des geltenden Datenschutzrechts im Fokus stehen, nicht nur angesichts der hohen Bußgelder für Verstöße nach der EU-DSGVO. Erst wenn sich in der Praxis zeigt, dass die Rechtsanwendung zu hohe Hürden aufstellt, etwa bei der Frage der Zweckbindung, die gerade für Big-Data-Anwendungen sehr relevant ist, ist ein gesetzgeberisches Eingreifen geboten.

Näheres zum Handlungsbedarf können Sie etwa in unseren Veröffentlichungen Digitale Agenda Bund und Bayern sowie Neue Wertschöpfung durch Digitalisierung – Analyse und Handlungsempfehlungen und Zukunft digital - Big Data: Analyse und Handlungsempfehlungen erfahren.


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Ansprechpartner
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Christine Völzow

Kommissarische Leiterin Abteilung Wirtschaftspolitik

+49 (0)89-551 78-249
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