Letzte Aktualisierung: 28. November 2018

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Auf der digitalen Agenda: Cybersicherheit

Vernetzte Prozesse sind auf robuste, sichere, verfügbare und vertrauenswürdige Kommunikationsmöglichkeiten entlang der Wertschöpfungskette angewiesen. Das gilt im Rahmen von Industrie 4.0 ebenso wie beispielsweise in der Landwirtschaft. Aber auch auf Datenträgern, Servern oder in der Cloud gespeicherte betriebliche und private Informationen müssen vor unbefugtem Zugriff und Verlust geschützt werden. Digitale Geschäftsmodelle hängen von der Gewährleistung der Datensicherheit ebenso ab wie neue Angebote im Bereich eGovernment. Vor allem aber ist Cybersicherheit die Grundlage für das notwendige Vertrauen der Bürger vgl. dazu auch Artikel Innovationsoffenheit und Datenschutz

Die Bayerischen Arbeitgeberverbände bayme vbm vbw haben Einstellungen zu verschiedenen Aspekten der Digitalisierung erhoben. Durchgeführt wurde die repräsentative Umfrage im Juli 2017 durch die gms Dr. Jung GmbH.

Vertrauen der Bevölkerung in die Datensicherheit

Die Bevölkerung sieht die Datensicherheit mit klarer Mehrheit kritisch: Nur 28 Prozent sind der Auffassung, ihre Daten seien (sehr) sicher vor Angriffen von außen, während 67 Prozent von einem geringen Schutzniveau ausgehen. In Bayern ist die Einschätzung nur minimal positiver (3 / 27 / 44 / 22 / 4 Prozent).

48 Prozent der Internetnutzer haben bereits negative Erfahrungen in Sachen Datenschutz bzw. Datensicherheit gemacht (Bayern 44 Prozent). Mit Abstand die meisten davon – 58 bzw. 59 Prozent – berichten, dass ihr Computer mit einem Schadprogramm infiziert wurde. Bei 19 bzw. 20 Prozent wurden Zugangsdaten zu einem Online-Dienst (z. B. Online-Shop, Online-Banking) ausspioniert.

Umgang mit Datensicherheit in der Praxis

Positiv ist, dass immerhin 78 Prozent der Befragten aktiv Schutzmaßnahmen ergreifen (Bayern: 74 Prozent) und 62 Prozent regelmäßig Sicherheitskopien erstellen (Bayern: 61 Prozent).

Wenn es allerdings um konkrete – einfache – Schutzmaßnahmen geht, fallen die Werte teilweise deutlich niedriger aus. Dies zeigt auch, dass bei Aufklärung und Information über Risiken und Abwehrmöglichkeiten nicht nachgelassen werden darf. Dafür spricht auch, dass sich nur 30 Prozent (29 Prozent in Bayern) voll und ganz bzw. eher für ausreichend darüber informiert halten, was sie selbst für den Schutz ihrer Daten im Internet tun können.

Sicherheit durch Nutzungsverzicht?

60 Prozent der Nutzer (62 Prozent in Bayern) verzichten aus Datensicherheits- oder Datenschutzgründen auch ganz auf die Nutzung bestimmter Dienste.

Sowohl für Privatnutzer als auch für Unternehmen ist es fraglos richtig, genau zu prüfen, ob z. B. Daten und Systeme tatsächlich online sein müssen. Angesichts der zunehmenden Vernetzung aller Lebensbereiche wird der Nutzungsverzicht allerdings zunehmend zu einer Einschränkung. Ein Beispiel von vielen ist dabei das automatisierte und vernetzte Fahren. Sowohl aus Kunden- als auch aus Unternehmenssicht ist die Gewährleistung eines überzeugenden Sicherheitsniveaus entscheidend (vgl. das Positionspapier Zukunft automatisiertes Fahren: Datenschutz und Datensicherheit und die Studie Datenschutz, IT-Sicherheit und Haftung bei automatisierten Systemen).

Die Sicht der Unternehmen

Die vbw hat auch unter Unternehmen eine bayernweite Befragung durchführen lassen. Seit 2013 lassen wir von der IW Consult GmbH die Unternehmerperspektiven erstellen. Für die aktuelle Auflage von 2017 wurden 980 Unternehmen in allen Regierungsbezirken zu wichtigen Standortthemen befragt. Erstmals wurde auch die Zufriedenheit mit Schutz, Aufklärung und Prävention im Bereich Online-Kriminalität erhoben. Das Ergebnis: Die Unternehmen vergeben im Durchschnitt die Schulnote 3,8 – eine der schlechtesten Bewertungen aus einem insgesamt sehr positiven Bild vom Standort Bayern.

Nur 12,8 Prozent der Unternehmen bewerten die Innere Sicherheit in diesem Bereich als gut oder sehr gut, fühlen sich also angemessen gegen Cyber-Kriminalität geschützt.

Von der Politik erwarten die bayerischen Unternehmen im Bereich Cyber-Sicherheit

- intensivere Forschungsaktivitäten (85,7 Prozent),

- konkrete Hilfestellungen (84,9 Prozent),

- bessere Informationen (79,8 Prozent),

- staatliche Ansprechpartner (72,8 Prozent).

Gleichzeitig sind auch die Unternehmen selbst zum Handeln aufgerufen. Jedes Unternehmen braucht eine Datensicherheitsstrategie. Die Notwendigkeit hängt nicht vom Digitalisierungsgrad des Unternehmens oder den Geschäftsmodellen ab, sie unterscheidet sich danach nur graduell. Denn jedes Unternehmen verfügt über Daten, die für den eigenen Geschäftsbetrieb essenziell sind und die es deshalb zu schützen gilt, beispielsweise vor Angriffen mit Schadprogrammen, die firmeninterne Daten verschlüsseln oder Server lahmlegen und so den Boden für Erpressungen bereiten.

Wichtige erste Schritte skizziert der Zukunftsrat der Bayerischen Wirtschaft in Neue Wertschöpfung durch Digitalisierung – Analyse und Handlungsempfehlungen. Hierzu zählen in jedem Fall

− regelmäßige Updates

− regelmäßige Tests / Krisensimulationen

− minutengenaue Backups

− Erstellung eines Sicherheitskonzepts

− Erstellung von Krisenplänen mit klar definierten Verantwortlichen und Kommunikationswegen

− Definition eindeutiger Verhaltensregeln: z. B. kein Öffnen unsicherer Dateianhänge

− regelmäßige Mitarbeiterschulungen.

Weitere Handlungsfelder für Unternehmen sind die Mitwirkung an der Standardsetzung und die Positionierung als Sicherheits-Anbieter in einem stark wachsenden Markt

Handlungsbedarf des Staates

Auch die Politik muss die Cyber-Sicherheit oben auf die Agenda setzen. Zu den notwendigen Maßnahmen zählen unter anderem gezielte Forschungsförderung, mit einem Fokus auf Schlüsseltechnologien wie dem autonomen Fahren bzw. intelligenten Verkehrssystemen oder Energiesystemtechnologien, und die Unterstützung vor allem kleinerer und mittlerer Unternehmen bei der Umsetzung des notwendigen Sicherheitsniveaus. Näheres zum Handlungsbedarf können Sie etwa in unseren Veröffentlichungen Digitale Agenda Bund und Bayern sowie Neue Wertschöpfung durch Digitalisierung – Analyse und Handlungsempfehlungen und Zukunft digital - Big Data: Analyse und Handlungsempfehlungen erfahren .


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Ansprechpartner
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Christine Völzow

Leiterin Abteilung Wirtschaftspolitik
Digitalisierung

+49 (0)89-551 78-249
Christine Völzow
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