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    Letzte Aktualisierung: 29. Juni 2016

    Information

    Gründe für den Gender Pay Gap - die richtigen Schlüsse ziehen

    Zum Equal Pay Day wird regelmäßig auf die statistische Lohnlücke zwischen Frauen und Männern verwiesen. Diese beträgt in Deutschland laut den jüngsten Zahlen des statistischen Bundesamtes mit 21 Prozent ein Prozent weniger als im Vorjahr. Meist wird aber nicht berücksichtigt, dass der Entgeltunterschied in den amtlichen Statistiken üblicherweise nur als Vergleich der durchschnittlichen Entgelte von allen Frauen und allen Männern ausgewiesen wird. Dabei werden Faktoren wie Teilzeitarbeit, unterschiedliche Qualifikationen und Tätigkeiten, Ausbildung und Berufserfahrung komplett ausgeblendet.

    Differenzierung nötig

    Eine sachliche Auseinandersetzung mit dieser Statsistik erfolgt deshalb nur selten. Oft wird sogar suggeriert, dass Frauen aufgrund ihres Geschlechts per se 21 Prozent weniger verdienen. Dass diese Interpretation eine nicht haltbare Verdrehung der Fakten ist, haben zahlreiche Studien immer wieder deutlich aufgezeigt. Die Analysen der Ursachen der Entgeltlücke kommen immer zum gleichen Ergebnis. Vor allem folgende fünf Gründe erklären die in der Summe zu findende Lohnlücke:

    • Männer arbeiten insgesamt länger mit mehr Arbeitsstunden, Frauen arbeiten öfter in Teilzeit und unterbrechen die Karriere wegen familiären Aufgaben öfter.
    • In den Berufsfeldern, die ein höheres Durchschnittsgehalt aufweisen, gibt es deutlich mehr Männer. Meist sind dies technische Berufe.
    • Das formale Ausbildungsniveau von Männern ist insgesamt höher, auch wenn Frauen in den jüngeren Generationen deutlich aufholen.
    • Mehr Männer arbeiten in Berufen, die mit physischen und psychischen Belastungen verbunden sind.
    • Innerhalb der Gruppe der Spitzenverdiener sind mehr Männer zu finden.

    Ebenfalls relevant ist die Tatsache, dass Frauen im Schnitt öfter bei kleineren Unternehmen arbeiten, in denen weniger gezahlt wird. Auch das Gründungsverhalten ist im Schnitt geschlechterspezifisch unterschiedlich.

    Unbereinigte Lohnlücke ist wenig aussagekräftig

    Das statistische Bundesamt rechnet aufgrund der Verdiensterhebung auch den bereinigten Gender Pay Gap aus. Er berücksichtigt die unterschiedlichen Branchen und Berufe, in denen Frauen und Männer tätig sind, sowie ungleich verteilte Arbeitsplatzanforderungen hinsichtlich Führung und Qualifikation sowie ein niedrigeres Dienstalter und ein geringerer Beschäftigungsumfang bei Frauen. Das Bundesamt kommt so auf eine bereinigte Lohnlücke von nur mehr sieben Prozent. Andere Forschungseinrichtungen wie das IW Köln oder das Hamburgische WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) betrachten den Gap noch näher und kommen auf Basis des Sozio-ökonomischen Panels auf eine bereinigte Lohnlücke zwischen 1,9 und rund 6 Prozent. Von einer systematischen Benachteiligung von Frauen im Arbeitsleben kann deshalb keine Rede sein.

    Gründe für die Politik, durch ein Entgeltgleichheitsgesetz die Unternehmen in die Pflicht zu nehmen und Auskunftspflichten zu etablieren, gibt es deshalb nicht. Auch die Vorstellung, Frauen würden systematisch bei der Lohnfindung gegenüber Männern benachteiligt, ist abwegig. Wie das IW Köln klarstellt, sind Tarifverträge grundsätzlich geschlechtsneutral und Unternehmen darauf bedacht, dass ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die gezahlten Löhne als fair empfinden und Gehaltsunterschiede als sachgerecht akzeptieren. Unfaire Praktiken kommen ohnehin ans Licht und führen zu Enttäuschungen und Sanktionen seitens der Betroffenen, indem sie das Unternehmen wechseln oder weniger leisten.

    Arbeitszufriedenheit hoch

    Gegen die These einer systematischen Diskriminierung von Frauen bei der Bezahlung spricht auch eine aktuelle Auswertung des IW Köln auf Basis der BIBB/BAuA Erwerbstätigenbefragung 2012 (Hall et al., 2014). Diese zeigt zum einen, dass die Zufriedenheit mit Ihrer Arbeit generell sowohl bei Frauen als auch bei Männern sehr hoch ist und hier praktisch keine geschlechtsspezifischen Unterschiede zu sehen sind: 92 Prozent der Frauen sind mit ihrer Arbeit insgesamt zufrieden. Bei Männern liegt der Wert nur um 0,1 Prozent höher. Der Diskriminierungsthese widerspricht außerdem die Tatsache, dass die Zufriedenheit von Frauen sowohl mit ihrer Arbeit insgesamt als auch mit ihrer Erwerbssituation in Bayern um zwei beziehungsweise 4,7 Prozent höher liegt als im Bundesschnitt - und das, obwohl der unbereinigte Gender Pay Gap in Bayern höher liegt als in Deutschland.

    Unterschiedliche Präferenzen von Frauen und Männern

    Eine weitere aktuelle Studie des IW Köln beleuchtet einen anderen wichtigen Aspekt: Ein starkes zeitliches Engagement im Beruf ist eine wichtige Voraussetzung für die Realisierung von Karrierezielen in der Wirtschaft. Dies könnte die Ursache dafür sein, dass lediglich jeder zweite Mann und nur jede dritte Frau einem beruflichen Aufstieg einen hohen Stellenwert beimisst. Das ist ein zentrales Ergebnis einer empirischen Analyse auf Basis der BIBB / BAuA Erwerbstätigenbefragung 2012, die das IW Köln durchgeführt hat. Vor allem Beschäftigte in der Altersklasse der 31- bis 40-Jährigen sehen sich einem Zielkonflikt zwischen Karrierestreben und Zeit für familiäre Belange gegenüber. Dies gilt für Frauen und Männer gleichermaßen.

    Wer seine Karriereambitionen voranstellt, bekleidet eher eine Führungsposition. So nehmen knapp 37 Prozent der karriereorientierten Frauen und rund 43 Prozent der Männer dieser Altersklasse disziplinarische Führungsaufgaben wahr. In der Gruppe aller 31- bis 40-Jährigen sind es lediglich 28 Prozent der Frauen und 36 Prozent der Männer. Auch wenn sich Karriereambitionen und ein ausgeprägtes zeitliches Engagement für familiäre Belange nur schwer in Einklang bringen lassen, empfinden dies die Beschäftigten nicht zwingend als Nachteil. Denn die Arbeitszufriedenheit von familienorientierten Frauen und Männern wird im Unterschied zu karriereorientierten Arbeitnehmern nicht maßgeblich davon beeinflusst, ob sie eine Führungsposition innehaben.

    Wege zur Verringerung des Gender Pay Gaps

    • Bildungsstand der Frauen erhöhen
      Gegenwärtig weisen erwerbstätige Frauen im Durchschnitt noch einen geringeren Bildungsstand auf als erwerbstätige Männer. Diese Unterschiede werden jedoch Jahr für Jahr kleiner, da sich die immer bessere Bildung junger Frauen zunehmend auswirkt. Das wird zu einer weiteren Reduzierung der gegenwärtig noch bestehenden Bildungsunterschiede zwischen Frauen und Männern führen und damit auch die Lohnlücke reduzieren.
    • Berufs- und Branchenwahl von Frauen verbreitern
      Um die Unterschiede im Berufswahlverhalten zwischen Frauen und Männern zu reduzieren, sollten Frauen stärker für männertypische Berufe gewonnen werden. Bislang scheinen natur- und ingenieurwissenschaftliche Berufe trotz des dort herrschenden höheren Lohnniveaus für Frauen wenig attraktiv zu sein. Die bayerischen Arbeitgeberverbände sind hier mit innovativen Projekten aktiv, die Mädchen und jungen Frauen mathematisch-naturwissenschaftliche und technische Berufe näherbringen sollen. Diese Initiativen setzen bereits in den Schulen an und werden an der Hochschule fortgeführt.
    • Rahmenbedingungen für Mütter verbessern
      Ein wichtiger Ansatzpunkt, um die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen zu reduzieren, ist die Verkürzung der kindbedingten Erwerbsunterbrechungen. Dazu ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf weiter zu verbessern. Ein geeignetes Instrument ist der Ausbau der Kinderbetreuung besonders für Kinder unter drei Jahren. Auch während der Schulzeit sind entsprechende Angebote erforderlich, in denen die Kinder über den Vormittag hinaus betreut werden. Hier kann der Ausbau der Ganztagsschulen eine wichtige Rolle spielen.
    • Familiengerechte Arbeitswelt fördern
      Der Unternehmensmonitor Familienfreundlichkeit zeigt, dass die überwiegende Mehrheit der Unternehmen der Vereinbarkeit von Familie und Beruf eine hohe Bedeutung zukommen lässt. Bevorzugte Mittel der Unternehmen sind flexible Arbeitszeitmodelle und Maßnahmen, mit denen Mitarbeiter vor, während und nach der Elternzeit gefördert werden.

    Es liegt auf der Hand, welche Ursachen es für die Lohnlücke zwischen Frauen und Männern gibt und wie man sie angehen kann. Sie liegen in unterschiedlichen Präferenzen sowie in den Rahmenbedingungen, Lebens- und Berufswelten von Frauen und Männern begründet. Daher sollte die Politik ihr Augenmerk auf die Verbesserung der Rahmenbedingungen richten und nicht auf regulierende Maßnahmen.


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    Franz Niedermaier

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