Letzte Aktualisierung: 29. Mai 2019

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100 Jahre Frauenwahlrecht

Auf ihrem Kongress „100 Jahre Frauenwahlrecht“ hat die vbw mit Vertreter*innen aus Politik, Jugendorganisationen und Gesellschaft die Bedeutung von Frauen für die Gesellschaft und die Wirtschaft betont. Eine gleichberechtigte Teilhabe von Frauen in der Gesellschaft muss für alle Akteure selbstverständlich sein.

Brückenschlag zur Arbeitswelt

Um mehr politische Beteiligung von Frauen zu erreichen, sind die Rahmenbedingungen entscheidend. Dass hier ähnliche und oft dieselben Aspekte bedeutend sind, machte Bertram Brossardt klar. “Wir brauchen mehr Teilhabe von Frauen in Politik und Wirtschaft. Daran müssen wir gemeinsam arbeiten“, so der vbw Hauptgeschäftsführer. Dem Anlass gemäß blickte er zurück: “Das neu gewonnene Wahlrecht im Jahr 1919 war nicht nur ein Meilenstein in der Geschichte der Demokratie in Deutschland. Es war auch eine Initialzündung für den gesellschaftlichen, politischen, aber eben auch wirtschaftlichen Aufstieg der Frauen in Deutschland.” Zugleich zog er Parallelen zu der Stärkung von Frauen in der Arbeitswelt. Diese sei angesichts der drohenden Fachkräftelücke in Deutschland von 2,9 Millionen und in Bayern von 350.000 Personen im Jahr 2025 äußerst wichtig. Die Erwerbsbeteiligung von Frauen ist von 2010 bis 2017 deutschlandweit zwar auf 75,2 Prozent und bayernweit sogar auf 77,6 Prozent gestiegen. „Dennoch ist hier noch Luft nach oben. Denn wir hatten noch nie so viele gut ausgebildete Frauen wie heute. Insbesondere der Staat ist gefordert, eine bedarfsgerechte und qualitativ hochwertige Infrastruktur für Kinderbetreuung und Pflege zu schaffen und so die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern. Das ermöglicht beispielsweise weiblichen Teilzeitkräften die Aufstockung ihrer Arbeitszeit“, betonte Brossardt.

Was junge Politikerinnen bewegt

Nach einem kurzen Einspieler zu den Ereignissen vor hundert Jahren warf Moderatorin Sybille Giel vom Bayerischen Rundfunk einen Blick auf Politik-Einsteigerinnen von heute. Tina Jäger, Ortsvorsitzende der Jusos Fürstenfeldbruck, und Gina-Maria Christina Mojr, Landesgeschäftsführerin der Auszubildenden & Schüler Union in Bayern e.V., berichteten über ihr politisches Engagement, die Beweggründe, die sie zur Politik geführt haben, und ihre Vorstellungen über ihre politische und persönliche Zukunft. Klar wurde dabei, dass viel persönliches Herzblut miteinfließen muss und oft Hürden zu überwinden sind. Prof. Dr. Ursula Münch, Direktorin der Akademie für Politische Bildung in Tutzing, räumte mit dem Vorurteil auf, dass junge Menschen sich zu wenig für Politik interessieren würden: “Das ist ein Fehlurteil. Junge Menschen heute sind sehr wohl politikaffin. Nur ihre Zugänge und Formen des politischen Engagements sind oft anders wie früher.”

Blick ins Ausland

Wie es um Frauenrechte in anderen Kulturen steht, zeigte eindrucksvoll die Menschenrechtsaktivistin und Gründerin des Vereins Hawar.help e.V. Düzen Tekkal. Als Jessidin mit zahlreichen Geschwistern war es schon ihr Elternhaus, das den Wert der Bildung trotz spärlicher finanzieller Mittel immer hochhielt. So nahm ihr Vater sie bereits als Vierjährige mit in den niedersächsischen Landtag, um ihr den Wert der Demokratie nahe zu bringen. Der Völkermord an den Jessiden 2014 löste in ihr eine enorme Motivation aus, die sich durch die Vereinsgründung ebenso niederschlägt wie das enorme sonstige Engagement, das sie an den Tag legt. Die oft verwendete Trennung nach Opfern und Tätern sei schwierig. Das Thema Gewalt und Machtmissbrauch sei geschlechterübergreifend relevant, was sie mit den Grausamkeiten der IS-Frauen belegte.

Staatlicher Eingriff ins Wahlrecht

Heftig diskutiert wurde in der abschließenden Podiumsdiskussion. Dabei legten Frauenministerin Kerstin Schreyer und Katharina Schulze, Vorsitzende der Fraktion der Grünen im Bayerischen Landtag, ihre Positionen zu dem Thema dar. Die von Katharina Schulze geforderte Gesetzesänderung zum Wahlrecht, die den Parteien von Staats wegen weitgehende Vorschriften bei der Listenaufstellung macht, war dabei der umstrittenste Punkt. Während die grüne Oppositionsführerin Brandenburg als Vorbild lobte und einen weiteren Versuch für ein Parité-Gesetz im bayerischen Landtag ankündigte, lehnten Schreyer und Brossardt ein solches Vorhaben als staatliche Bevormundung ab. Einig war man sich hingegen, dass es weiterer Anstrengungen bedarf, um die Partizipation von Frauen in der Politik zu erhöhen.


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Franz Niedermaier

Frauen-, Familien- und Gesundheitspolitik, Kirche/Kultur Pflegeversicherung, Krankenversicherung, BGM/BGF

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