Letzte Aktualisierung: 31. März 2017

Kurzbewertung

Inklusion durch veränderte Rahmenbedingungen voranbringen


Um weitere spürbare Fortschritte bei der Inklusion zu erzielen, sind veränderte Rahmenbedingungen erforderlich. Von zentraler Bedeutung ist dabei ein Richtungswechsel von Regulierung und Zwang zu Information und Anreizen.

Die Inklusion ist zweifelsohne eine sehr wichtige sozialpolitische Aufgabe, die unseren vollen Einsatz verdient. Darüber hinaus ist die Teilhabe von Menschen mit Behinderung am Arbeitsleben auch betriebs- und volkswirtschaftlich ein wichtiges Handlungsfeld, das in einer älter werdenden Gesellschaft immer mehr an Bedeutung gewinnt.



1. Inklusion muss möglichst früh ansetzen!

Das gemeinsame Lernen und Miteinander von Kindern und Jugendlichen mit und ohne Behinderung muss schon im Kindergarten und in allen Schularten, von der Grundschule bis zur Berufsschule, so weit möglich und für alle Seiten zum Vorteil, selbstverständlich werden. Dies fördert auch die Entwicklung sozialer Kompetenzen und trägt mit dazu bei, Vorbehalte und Vorurteile frühzeitig abzubauen. Ein inklusives Bildungssystem leistet einen wichtigen Beitrag zur späteren Integration in den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt.

2. Die Wirtschaft engagiert sich in erheblichem Maße für die Inklusion!

Auf Bundesebene sind hier insbesondere die Initiative „Inklusion gelingt!“ von BDA, DIHK, ZDH sowie das Projekt „Unternehmens-Netzwerk Inklusion“ (Nachfolgeprojekt von „Wirtschaft inklusiv“) zu nennen. Ergänzend zu den Initiativen auf Bundesebene haben die vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V. und die bayerischen Metall- und Elektro-Arbeitgeber bayme vbm zahlreiche Projekte auf den Weg gebracht, im Rahmen derer die Mitgliedsunternehmen informiert und in ihrem Engagement für die Gesundheit der Mitarbeiter unterstützt werden. Beispiele sind hier unter anderem die Projekte „gesund(me)“, „Psyche und Arbeitswelt“ sowie „demografie(me)“. Übergeordnetes Ziel aller Maßnahmen ist es, einen Beitrag zur Prävention von Behinderungen zu leisten. Denn die meisten Behinderungen treten erst im Laufe des (Erwerbs-) Lebens auf.

3. Das Engagement der Wirtschaft für die Inklusion zeigt Wirkung!

Die Zahl der schwerbehinderten Beschäftigten konnte in Deutschland zwischen 2007 und 2014 um 24,4 Prozent auf rund eine Million erhöht werden. Noch deutlich stärker war der Zuwachs mit 41,9 Prozent in Bayern. Im Jahr 2014 waren im Freistaat über 200.000 Schwerbehinderte beschäftigt. Mehr als zwei Drittel der in Deutschland beschäftigten Schwerbehinderten arbeitete im Jahr 2014 bei einem privaten Arbeitgeber.

In den letzten Jahren ist damit die Zahl der schwerbehinderten Beschäftigten stärker angestiegen als die Zahl der hierzulande lebenden schwerbehinderten Menschen. Dies beweist eindeutig: Das Beschäftigungswachstum bei den Schwerbehinderten ist bei weitem nicht nur eine Folge der demografischen Entwicklung.

Menschen mit Behinderung leisten bereits heute einen wertvollen Beitrag zur Sicherung des Fachkräftebedarfs der bayerischen Wirtschaft! Noch stärker gilt dies für die Zukunft! Menschen mit Behinderung sind häufig gut qualifiziert und können – sofern richtig eingesetzt – voll leistungsfähige Mitarbeiter sein, die vielfach besonders motiviert ihre Aufgaben erfüllen. Arbeitslose Schwerbehinderte sind im Durchschnitt sogar besser qualifiziert als die Gruppe der nicht-schwerbehinderten Arbeitslosen.

4. Die stetige Verschärfung der Schutzvorschriften ist kontraproduktiv und schadet der Inklusion!

Die vielen, gut gemeinten Sonderregelungen für schwerbehinderte Arbeitnehmer bewirken oft das Gegenteil von Inklusion, da hierdurch neue, zusätzliche Einstellungshemmnisse errichtet werden. Denn im Zweifel werden Unternehmen besonders geschützte Personen in wirtschaftlich unsicherem Umfeld eher nicht einstellen.

Die Änderungen im Schwerbehindertenrecht, wie die neuerliche Erweiterung der Rechte der Schwerbehindertenvertretung im Rahmen des Bundesteilhabegesetzes, haben zu einer Überreglementierung geführt und rufen bei den Unternehmen Rechtsunsicherheit hervor. Dies gilt auch für den besonderen Kündigungsschutz. Die gesetzlich geforderte Zustimmung des Integrationsamts vor der Kündigung führt zu beträchtlichen zeitlichen Verzögerungen sowie zu Unsicherheiten für die Unternehmen und wird nicht selten zur Verschleppung oder zum Abfindungspoker eingesetzt. Die Entscheidung des Integrationsamtes muss in allen Fällen innerhalb eines festen Zeitrahmens (zum Beispiel ein Monat) getroffen werden und eine Fristüberschreitung als Zustimmung gelten.

Der Sonderkündigungsschutz darf zudem erst ab Vorlage eines Schwerbehindertenausweises gelten. Auch eine höhere Ausgleichsabgabe hilft nicht weiter. Die Ausgleichsgabe ist aufgrund der in § 77 Abs. 3 SGB IX geregelten Anpassungsvorschrift erst in jüngster Vergangenheit zum 1. Januar 2016 deutlich erhöht worden.

5. Für weitere Fortschritte bei der Inklusion ist ein Richtungswechsel von Regulierung und Zwang zu Information und Anreizen nötig!

Nötig ist die umfassende Information der Arbeitgeber über die Chancen, die die Beschäftigung schwerbehinderter Personen bietet, und die rechtlichen Vorgaben, die dabei einzuhalten sind. Die gemeinsamen Bemühungen zur Verbreitung des Bewusstseinswandels, dass „behindert“ nicht automatisch „leistungsgemindert“ bedeutet, sind entschieden voranzutreiben. Entscheidend für mehr Teilhabe Schwerbehinderter am Arbeitsleben sind zudem professionelle Hilfe, die richtigen Anreize sowie erfolgreiche Integrationsbeispiele. Hier sind vor allem die Spezialisten in den Arbeitsagenturen sowie bei den Reha-Trägern und nicht zuletzt auch die Integrationsämter und Integrationsfachdienste gefordert.


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Ansprechpartner
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Friedrich Stanner

Arbeitsmarktpolitik, Arbeitslosenversicherung, Grundsicherung, Fachkräftesicherung

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