Letzte Aktualisierung: 27. April 2017

Dialog International

Präsidentschaftswahl in Frankreich

Das Jahr 2017 zeichnet sich durch einen europäischen Wahlmarathon aus – mit Abstimmungen in den Niederlanden, Frankreich und Deutschland. Mehr als jemals zuvor bestimmen nationale Wahlen auch über die Zukunft der Europäischen Union und damit seiner Mitglieder. Nach dem ersten Wahlgang in Frankreich stehen sich der unabhängige Kandidat Emmanuel Macron und Marine Le Pen vom Front National gegenüber.

Bedeutung Frankreichs für die bayerische Wirtschaft

Die bayerische Wirtschaft ist eng verknüpft mit Frankreich. Bayern exportierte 2016 Waren im Wert von über 12,6 Milliarden Euro nach Frankreich. Mit 6,9 Prozent der Ausfuhren war Frankreich damit der fünftgrößte Exportmarkt Bayerns. Gegenüber 2015 stiegen die Exporte um 4,3 Prozent. Die Produkte kommen vor allem aus der Automobilindustrie und dem Maschinenbau. Die bayerischen Importe aus Frankreich summierten sich im Jahr 2016 auf 6,5 Milliarden Euro und machten 3,9 Prozent aller bayerischen Einfuhren aus. Auch die Importe sind gegenüber 2015 gestiegen, um 4,1 Prozent. Wichtigste Importgüter aus Frankreich sind Maschinen und chemische Erzeugnisse gefolgt von Kraftwagenteilen und Nahrungs- sowie Futtermitteln.

Die deutsch-französische Partnerschaft stabilisiert die EU

Denis Simonneau, Direktor für Europäische und Internationale Beziehungen bei dem Energieversorger ENGIE und Sprecher für den französischen Unternehmerverband MEDEF, und Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt waren sich einig, dass der enge Zusammenhalt von Frankreich und Deutschland eine besonders große Rolle für die Europäische Union spielt. Gemeinsam bilden sie den Kern für einen stabilen und wettbewerbsfähigen Binnenmarkt. Weniger Einigkeit bestand im Hinblick auf den hohen deutschen Handelsüberschuss. Nach Überzeugung der vbw profitieren die Mitglieder der EU erheblich von der starken Entwicklung der deutschen Industrie. Laut einer Studie ist die Güternachfrage aus Deutschland für fast 5 Millionen Arbeitsplätze in den übrigen EU-Ländern verantwortlich. Auf Frankreich entfallen hiervon knapp 450.000 Arbeitsplätze.

Keine Vergemeinschaftung von Schulden in Europa

Auch wenn mit Emmanuel Macron ein wirtschaftsliberaler und überzeugter Europäer in die Stichwahl eingezogen ist, verfolgt auch er in seinem Wahlprogramm Pläne für die EU, die die bayerische Wirtschaft skeptisch betrachtet. In Sachen Finanz- und Schuldenpolitik etwa legt er besonderen Wert auf das „Solidaritätsprinzip“ und sieht dabei besonders auch Deutschland in der Verantwortung. Er strebt dafür ein zentrales EU-Budget samt europäischem Finanzminister an und schlägt eine stärkere Zusammenarbeit im Bereich der Sozialpolitik vor. Aus Sicht der vbw sind das die falschen Rezepte für Europa. Sie würden die Anreize der einzelnen EU-Staaten, wirtschaftlich und schuldentechnisch selber wieder auf die Beine zu kommen, vermindern und damit die Probleme weiter verschärfen.


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Dagmar von Bohnstein

vbw Gremienbetreuung, Bundes- und Europaangelegenheiten

+49 (0)89-551 78-137
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