Letzte Aktualisierung: 16. Oktober 2020

Politischer Dialog Brüssel | Online

Rückblick – Voraussetzungen für nachhaltige Mobilität

Am 13. Oktober 2020 haben Experten aus Verkehrswirtschaft und Politik beim OnlineKongress der vbw, der in Zusammenarbeit mit der Vertretung des Freistaates Bayern bei der EU durchgeführt wurde, Voraussetzungen für eine nachhaltige Mobilität diskutiert.

Wirtschaft beim Umwelt- und Klimaschutz Teil der Lösung, nicht Teil des Problems

Der vbw Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt erklärte, Mobilität müsse nachhaltig sein. Die EU müsse daher realistische Voraussetzungen dafür schaffen, dass die Klimavorgaben tatsächlich umgesetzt werden können. Das neue Ziel des EU-Parlaments, die CO2-Emissionen um 60 Prozent gegenüber 1990 zu verringern, lehne die vbw strikt ab. Es dürfe nicht zu einem Überbietungswettlauf der Reduktionsziele kommen. Bertram Brossardt forderte die EU auf, statt auf neue CO2-Flottengrenzwerte auf einen massiven Infrastrukturausbau für Elektromobilität ebenso wie für Wasserstoffmobilität und synthetische Kraftstoffe zu setzen. Die Bayerische Wirtschaft setze auf Nachhaltigkeit unter der Maxime, dass die Wirtschaft beim Umwelt- und Klimaschutz Teil der Lösung sei, nicht Teil des Problems. Ausgangspunkt sei das Kundenbedürfnis. Im Rahmen der Corona-Krise seien aktuell vor allem das Fahrrad und das Auto gestärkt worden. Einzelne Verkehrsmittel dürfen also nicht vorschnell abgeschrieben werden. Bertram Brossardt forderte industrie- und innovationsfreundliche Rahmenbedingungen. Um die Investitionsfähigkeit der Unternehmen zu erhalten, müsse die Politik entschlossen handeln. Eine wichtige Verbesserung wäre etwa die Verringerung des Eigenanteils bei F+E-Projekten. Das müsse auf europäischer Ebene gelöst werden durch eine zeitlich befristete Anpassung des Beihilferechts. Zudem sei Technologieoffenheit und eine bessere Vernetzung der Verkehrsträger wichtig.

Automobilbranche ein Leistungsträger in der Gesellschaft

Die Bayerische Staatsministerin für Wohnen, Bau und Verkehr, Kerstin Schreyer MdL, betonte, dass die Verkehrsanbieter nicht gegeneinander ausgespielt werden dürften und die Wahlfreiheit zu berücksichtigen sei. Es müsse eine breite Vernetzung erfolgen. Umwelt müsse mit der Wirtschaft zusammen funktionieren. Klimaziele seien wichtig und man müsse darauf achten, dass sie technisch machbar seien und wirtschaftlich funktionieren. Die Automobilbranche sei ein Leistungsträger in der Gesellschaft. Mit Corona sei die Situation für die Automobilindustrie, insbesondere für die Zulieferer, noch schwieriger geworden. Bei der Klimapolitik gehe es um pragmatische und gute Lösungen. Es sei wichtig, diese nicht gegen, sondern mit der Branche zu organisieren. Die Unternehmen bräuchten verlässliche Planungsgrundlagen.

Erreichen der Klimaziele durch verschiedene Technologien

Dr. Thomas Becker, Leiter Nachhaltigkeit, Mobilität, der BMW Group, erklärte, es seien verschiedene Technologien nötig zur Erreichung der Klimaziele. Es setzte sich für gemeinsame Richtlinien für den Ladeinfrastrukturausbau in der EU ein. Um den Anteil von Elektrofahrzeugen zu erhöhen, sollte die Politik die Voraussetzungen für die Verbraucher*innen weiter verbessern. Aus Kundensicht seien attraktive Angebote besser als Verbote. E-Mobilität bekomme erst dann eine ganzheitliche Klimawirkung, wenn sie mit der Energiewende verknüpft werde. Die Möglichkeiten der Digitalisierung sollten verstärkt genutzt werden, beispielsweise, damit ein Auto im städtischen Bereich automatisch auf Elektrobetrieb umstellen könne.

ÖPNV: neue Technologien nutzen

Kai Lücke, Senior Vice President External Affairs, der ZF Friedrichshafen AG, legte dar, Plug-In Hybrid-Fahrzeuge (PHEV) seien ein entscheidender Hebel zur Elektrifizierung des Fahrzeugsektors und für einen erfolgreichen industriellen Wandel. Umfragen würden belegen: Aufgrund der im Durchschnitt täglich zu absolvierenden kurzen Strecken bestehe beim vollelektrischen Fahren an sich kein Reichweitenproblem. Allerdings verfüge die Mehrheit der Besitzer von Elektrofahrzeugen mit Batterie über ein weiteres Fahrzeug im Haushalt. Wesentliche Faktoren der Verkehrsproblematik gerade in Ballungsräumen seien die zunehmende Verkehrsdichte und Staus mit entsprechenden Umweltauswirkungen sowie die weiter voranschreitende Urbanisierung. Die Technologien für Lösungen im öffentlichen Personennahverkehr stünden allerdings bereits heute zur Verfügung. Kai Lücke ging dabei besonders auf das fahrerlose Nahverkehrssystem von ZF Friedrichshafen AG ein.

Forschung und Entwicklung mit Marktanwendung intelligent verbinden

In der anschließenden Diskussion erklärte eingangs Herald Ruijters, Direktor für Investitionen, innovativen und nachhaltigen Verkehr, der GD Mobilität und Verkehr in der Europäischen Kommission, man sehe, dass der Markt für leichte Elektrofahrzeuge in Bewegung komme. Die EU-Kommission werde daran arbeiten, die Rahmenbedingungen zu verbessern, besonders bei der Verbesserung der Ladeinfrastruktur. Wichtig sei jetzt aber auch, den Markt für schwere Nutzkraftfahrzeuge weiter zu entwickeln und Fahrzeuge mit Niedrig- und Nullemissionen in den Markt zu bringen. Hierfür brauche es eine langfristige Strategie, die Forschung und Entwicklung mit Marktanwendung intelligent verbinde und auch die notwendige Infrastruktur schaffe.

Technologieneutralität und Klimaziele zusammenbringen

Markus Ferber MdEP, EVP, erklärte, Technologieneutralität sei ein wesentlicher Faktor zur Erreichung der Klimaziele. Für die unterschiedlichen Antriebstechniken werde man die jeweilige Infrastruktur benötigen. Das bedeute, man müsse sich auf europäischer Ebene eng abstimmen. Bei der Frage, wie die Klimaziele zu realisieren seien, müsse auch geprüft werden, was mit innovativen Logistikkonzepten erreichbar sei.

Ökologie und Ökonomie verbinden

Ismail Ertug MdEP, S&D, führte aus, die Industrie müsse auf dem Weg zur Erreichung der Klimaziele mitgenommen werden. So seien Plug-In-Hybride aktuell ein gutes Mittel auf dem Weg zu emissionsärmeren Antriebssystemen. Insgesamt müssen Ökologie und Ökonomie zusammengebracht werden. Das Thema des Transports auf der letzten Meile könne mit innovativen Technologien angegangen werden.

Rückblick

Rückblick – Voraussetzungen für nachhaltige Mobilität
am 13.10.2020 in Online

Pressemitteilung
r
Pressemitteilung
Nachhaltige Mobilität

Bilder (9 Bilder)


Drucken
Ansprechpartner
Ansprechpartner

Dr. Peter Pfleger

Umwelt, Verkehr, Rohstoffe, Verbraucherschutz

+49 (0)89-551 78-249
Peter Pfleger
Weitere
Kontakte

Volker Pitts-Thurm

Leiter Verbindungsbüro Brüssel

+32 (0)2-500 57-83
Volker Pitts-Thurm
schließen

  Zur Veranstaltungsübersicht

nach oben