• Deutsch
    • English
    • Français

    Letzte Aktualisierung: 01. August 2016

    Position

    Brexit!

    Eine Mehrheit der Bevölkerung im Vereinigten Königreich (UK) hat in einem Referendum am 23. Juni 2016 gegen den Verbleib in der Europäischen Union gestimmt. Nachdem die Prognosen zuletzt auf einen knappen Vorsprung des Lagers der EU-Befürworter hingedeutet hatten, ist die Enttäuschung der bayerischen Wirtschaft über den Ausgang des Referendums groß.

    vbw enttäuscht über Ausgang des Referendums

    Die vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V. ist betroffen über den Ausstieg des Vereinigten Königreichs aus der EU. Das Land steht derzeit auf Platz zwei der größten Exportmärkte Bayerns. Im Jahr 2015 exportierten bayerische Unternehmen Waren im Wert von 15,5 Milliarden Euro in das Vereinigte Königreich. Das waren 8,6 Prozent aller bayerischen Exporte. Die bayerischen Importe aus UK lagen 2015 bei 5,6 Milliarden Euro, das waren 3,5 Prozent aller Importe des Freistaats. Damit liegt UK auf Rang 10 der Lieferländer. Sollte das Vereinigte Königreich nach dem Brexit in eine Rezession rutschen, werden das auch bayerische Unternehmen zu spüren bekommen.

    Investitionsstandort gefährdet

    UK ist darüber hinaus ein bedeutender Investitionsstandort für deutsche und bayerische Unternehmen. 10,3 Prozent des ausländischen Direktinvestitionsbestands bayerischer Unternehmen befindet sich in Großbritannien (2013), von den deutschen Direktinvestitionen entfallen 11,3 Prozent auf UK. Umgekehrt investieren auch britische Unternehmen stark in Bayern. Von den Direktinvestitionen ausländischer Unternehmen stammten 9,7 Prozent aus dem Vereinigten Königreich, der entsprechende Anteil bundesweit lag bei 8,1 Prozent. Anders ausgedrückt: ein knappes Fünftel der Direktinvestitionen britischer Unternehmen in Deutschland fanden in Bayern statt. Die Folgen des Brexit sind nicht zuletzt für die bayerische Automobilindustrie spürbar. Großbritannien ist der drittgrößte Exportmarkt für die deutschen Autobauer. Für das Vereinigte Königreich als Produktionsstandort bedeutet der Brexit, dass Zulieferer von außerhalb mit unterschiedlichen Standards, Handelsschranken, bürokratischen Verzögerungen und Zöllen belastet werden könnten.

    EU-Austrittsverfahren beginnt

    Das Austrittsverfahren regelt Art. 50 EU-Vertrag. Die Union handelt mit dem Vereinigten Königreich ein Abkommen über die Einzelheiten des Austritts aus. In ihm werden die näheren Bedingungen bestimmt - insbesondere das zukünftige Rechtsverhältnis wie beispielsweise Assoziationsverhältnis oder Partnerschaft im Sinne der Europäischen Nachbarschaftspolitik. Besteht zwei Jahre nach der Austrittserklärung noch kein Abkommen, so wird der Austritt gemäß Art. 50 Abs. 3 auch ohne ein solches Abkommen sofort wirksam, es sei denn, der Europäische Rat beschließt im Einvernehmen mit dem Vereinigten Königreich einstimmig, diese Frist zu verlängern.

    Britisches Referendum als Weckruf

    Unabhängig von dem rechtlichen Austrittsverfahren gilt es nun für die EU, aus dem britischen Referendum Lehren zu ziehen und einen Reformprozess in Gang zu setzen: "Die EU muss die Ursachen für Austritts-Bestrebungen bekämpfen. Dazu gehört, streng nach dem Subsidiaritätsprinzip zu handeln. Statt neue Vorschriften im Bereich Arbeit und Soziales zu erlassen, brauchen wir in der Flüchtlingspolitik ein gemeinsames europäisches Handeln. Der Stabilitäts- und Wachstumspakt ist ohne Abstriche umzusetzen. Europa muss zudem die Stärkung seiner Wettbewerbsfähigkeit wieder mehr in den Fokus nehmen und insbesondere das Ziel, den industriellen Wertschöpfungsanteil bis 2020 auf 20 Prozent zu erhöhen, erreichen. Es gilt auch, die digitale Agenda konsequent weiter zu verfolgen“, so vbw Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt.


    Drucken
    Ansprechpartner
    Ansprechpartner

    Dagmar von Bohnstein

    vbw Gremienbetreuung, Bundes- und Europaangelegenheiten

    +49 (0)89-551 78-159
    +49 (0)173-362 28 70
    +49 (0)89-551 78-137
    Dagmar von Bohnstein
    Content Sharing
    Bitte loggen Sie sich ein, um den Einbettungs-Code für diese Seite zu erhalten.
    nach oben