Letzte Aktualisierung: 23. November 2018

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Studienabbrecher stärker in Berufsausbildung bringen

In den letzten Jahren ist der Anteil der Studierenden in Deutschland stetig gewachsen. Ein Studium zu machen ist für viele attraktiv – dennoch passen häufig die Erwartungen und der Studienalltag nicht zusammen. Als Folge bricht fast jeder dritte Bachelorstudent in Deutschland sein Studium vorzeitig ab.

Vom Studienabbrecher zum Auszubildenden

Die Gründe für den Studienabbruch sind dabei häufig ganz unterschiedlich. So können persönliche, familiäre und finanzielle Schwierigkeiten zu einem Studienabbruch führen. Häufig sind allerdings mangelnde Kenntnisse über die Anforderungen eines Studiums sowie die späteren Berufsaussichten ausschlaggebend. Auch stellen viele Studierende erst im Studium fest, dass sie sich mehr Praxisbezug wünschen. So verschieden die Gründe jedes Einzelnen für den Studienabbruch auch sein mögen, sie alle suchen nach einer neuen Perspektive. Diese kann in einer beruflichen Ausbildung liegen.

Einen Ausbildungsplatz bekommen Studienaussteiger relativ leicht – die Firmen suchen händeringend Nachwuchskräfte und zeigen sich Studienzweiflern gegenüber sehr aufgeschlossen. So hat bereits jedes dritte Unternehmen in Deutschland laut dem Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) einen Studienabbrecher als Auszubildenden eingestellt. Denn die ehemaligen Studierenden bringen eine gute schulische Bildung, Motivation und einschlägige Erfahrungen mit. Derzeit beginnen etwa die Hälfte der Abbrecher eine Berufsausbildung, so das Deutsche Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW).

Projekt zur Vermittlung von Studienabbrechern

Um den Unternehmen das Potenzial der Studienzweifler noch mehr zu eröffnen und die Möglichkeiten einer beruflichen Ausbildung den Studienzweiflern und -abbrechern stärker aufzuzeigen, hat die bayerische Staatsregierung zusammen mit der Regionaldirektion Bayern der Bundesagentur für Arbeit, dem Bayerischen Handwerkstag, dem Bayerischen Industrie- und Handelskammertag und der vbw u.a. die „Allianz für starke Berufsbildung in Bayern“ gegründet.

Ziel dieser „Allianz“ ist es u.a. Studienzweifler wie -abbrecher früh zu beraten und die vielfältigen Chancen in einer beruflichen Ausbildung aufzuzeigen, aber auch die Betriebe für das Potenzial der Abbrecher noch stärker zu sensibilisieren. Kernelement sind dabei die sogenannten Akquisiteure. Sie identifizieren Studienzweifler, suchen den Kontakt, bieten Beratung an und unterstützen sie auf ihrem weiteren Weg. Die Verankerung der Akquisiteure in ihrer jeweiligen Hochschulregion hilft zusätzlich den Studierenden alle Optionen aufzuzeigen und beim Wechsel von der Hochschule in die Ausbildung schnell an ein interessiertes Unternehmen zu vermitteln.

Welche Möglichkeiten auch nach dem Studienabbruch für einen offen stehen, hat ein junger Student aus Ansbach erfahren. Im siebten Semester seines Studiums der industriellen Biotechnologie fiel er durch den Drittversuch einer Prüfung und wurde daraufhin exmatrikuliert. Erst wusste er nicht, wie es weiter gehen soll, bis er durch einen Hinweis auf das Beratungsangebot der Akquisiteure aufmerksam wurde und sich mit Frau Weiherer (bfz) aus Regensburg in Verbindung gesetzt hat. Die Akquisiteurin empfahl ihm in einem individuellen Beratungsgespräch erst einmal Orientierungspraktika zu machen, um herauszufinden, ob es am Fach, an der fehlenden Praxis im Studium oder an anderen Faktoren lag. Durch die Unterstützung von Frau Weiherer bei der Bewerbungsphase wurde der ehemalige Student sofort zu Bewerbungsgesprächen eingeladen. Bei einem Probearbeitstag wurde ihm dann unmittelbar eine Ausbildungsstelle angeboten. Nun ist der ehemalige Studienabbrecher Auszubildender im Bereich Baustoffprüfung. Dabei konnte er viele seiner Vorkenntnisse einbringen und sich sofort in der Firma engagieren. Ein Gewinn sowohl für ihn als auch das Unternehmen.

Ansprechpartner

Insgesamt gibt es neun Akquisiteure, die je nach Region an mehreren Hochschulen Studienzweifler und -abbrecher beraten und in engem Kontakt mit den Hochschulen, Agenturen, Unternehmen, Kammern und Verbänden in der Region stehen.

Das Projekt wurde 2015 gestartet und u.a. in Kooperation mit den beruflichen Fortbildungszentren der Bayerischen Wirtschaft (bfz) durchgeführt. Die Förderung erfolgt aus Mitteln des Arbeitsmarktfonds durch das Bayerische Staatministerium für Familie, Arbeit und Soziales (StMAS) und der Regionaldirektion Bayern der Agentur für Arbeit. Seit Beginn der zweiten Förderphase 2017 handeln die Akquisiteure in direkter Absprache mit dem StMAS.

Die Ansprechpartner und Regionen finden Sie auf www.studienabbruch.bayern.de oder auf der Kontaktliste hier als Download.


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Sophie Sontag-Lohmayer

Hochschule, Projekte

+49 (0)89-551 78-91-389
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