Letzte Aktualisierung: 30. November 2018

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Beratung und Vermittlung von Studienzweiflern – die Arbeit der Akquisiteure

Mit der „Allianz für starke Berufsbildung in Bayern“ wurden 2015 bayernweit Stellen für „Akquisiteure zur Identifikation und Beratung von Studienzweiflern und -abbrechern“ geschaffen, um diese zu beraten und stärker auf die Möglichkeiten einer dualen Ausbildung hinzuweisen. So haben die Akquisiteure allein bis 2017 in rund 2.500 Kontakten 639 Studienzweifler identifiziert und beraten. Ein Drittel davon blieb an der Hochschule und die Hälfte entschied sich dagegen ganz bewusst für eine Berufsausbildung. Die Zahlen steigen auch weiterhin an, was das Projekt zu einem großen Erfolg werden lässt.

Regionales Netzwerk

Um die Studienabbrecher in passende Ausbildungsberufe zu vermitteln, ist die Vernetzung in der Region für den Akquisiteur unerlässlich und eine ihrer Kernaufgaben. Anfangs lief die Kontaktaufnahme zu den Unternehmen als klassische Kaltakquise. Heute sind die Akquisiteure in ihren Regionen bekannt und eng vernetzt. Aus diesem Netzwerk erfahren die Berater häufig von weiteren Ausbildungsstellen oder zusätzlichen Programmen, die für die ehemaligen Studierenden aufgelegt werden können.

Auch die direkte Zusammenarbeit mit den Beratern der Agentur für Arbeit und den Hochschulen ist zentrales Element der Akquisearbeit. Hauptansprechpartner sind hier die jeweiligen Studienberatungen vor Ort und die hochschuleigenen Career Services. Sowohl in der direkten Beratung als auch über Rundmails an alle Studierenden wird um auf das Beratungsangebot der Akquisiteure aufmerksam gemacht. Oftmals kommt der Kontakt zu den Studienzweiflern jedoch über Familie, Freunde und Bekannte zustande, die die Beratungsangebote der Akquisiteure bereits kennen. Denn viele zögern und brauchen lange, um sich die eigene Problemlage wirklich auch einzugestehen.

Vom Studienabbrecher zum Auszubildenden

So ging es auch einem Studenten des Wirtschaftsingenieurswesens in Deggendorf. Erst nach dem auch der dritte Versuch einer Prüfung misslang, hat er sich bei Herrn Seitz (bfz), dem zuständigen Akquisiteur für die Region Niederbayern, gemeldet. In der Beratung wurden dann erst einmal seine Kompetenzen analysiert. Durch seine Erfahrungen als Werksstudent bei einem Automobilunternehmen stellte sich schnell heraus, dass eine Arbeit in der Automobilbranche genau das richtige für ihn wäre. Unternehmen und Stelle waren schnell gefunden. Nun ist er in diesem Betrieb angestellt und absolviert berufsbegleitend ein Wirtschaftsingenieurstudium mit anderer Spezialisierung.

Für mehr Praxisbezug entschied sich auch ein Student der Fahrzeugtechnik und Hobby-Mechaniker aus Landshut. Er brach sein Studium im vierten Semester ab und jobbte erst einmal. Über die Website fand er zu Herrn Seitz. Dieser konnte ihn an ein Autohaus in der Region vermitteln, bei dem der ehemalige Student nun eine verkürzte Ausbildung als Kfz-Mechatroniker macht. Nun konnte er sein Hobby mit dem Beruf verbinden – und wird nach erfolgreich abgeschlossener Ausbildung die Meisterprüfung anstreben.

Mit Beratung neue Möglichkeiten aufzeigen

Für Herrn Seitz ist es immer wieder erstaunlich, dass die wenigsten Studierenden weder die Möglichkeiten einer Ausbildung und die darauf aufbauenden Aufstiegschancen, noch die Unternehmen rund um ihre Hochschule kennen. Dabei können sie oft im Studium erworbene Kompetenzen und Erfahrungen in einer Ausbildung nutzen sowie diese gewinnbringend für sich und das Unternehmen einbringen. Als Akquisiteur für die TH Deggendorf, FH Landshut und die Universität Passau hat er schon viele Studienzweifler kennen gelernt und auch die Gründe für ihre Zweifel am Studium.

Vielen Ratsuchenden kommt es entgegen, so der Akquisiteur, in der Beratung die Optionen – mit und ohne akademischen Abschluss – aufgezeigt zu bekommen. Das helfe so Manchem, entscheidende Prüfungen besser durchzustehen und das Studium zu beenden oder sich ganz bewusst für einen „Neuanfang“ in der Ausbildung zu entscheiden. Auch eine Kompetenzanalyse oder ein Orientierungspraktikum kann förderlich sein, die eigenen Interessen und Fähigkeiten wieder in den Blick zu bekommen.

Ansprechpartner

Insgesamt gibt es neun Akquisiteure, die je nach Region an mehreren Hochschulen Studienzweifler und -abbrecher beraten und in engem Kontakt mit den Hochschulen, Agenturen, Unternehmen, Kammern und Verbänden in der Region stehen.

Das Projekt wurde 2015 gestartet und u.a. in Kooperation mit den beruflichen Fortbildungszentren der Bayerischen Wirtschaft (bfz) durchgeführt. Die Förderung erfolgt aus Mitteln des Arbeitsmarktfonds durch das Bayerische Staatministerium für Familie, Arbeit und Soziales (StMAS) und der Regionaldirektion Bayern der Agentur für Arbeit gefördert. Seit Beginn der zweiten Förderphase 2017 handeln die Akquisiteure in direkter Absprache mit dem StMAS.

Die Ansprechpartner und Regionen finden Sie auf www.studienabbruch.bayern.de.


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Sophie Sontag-Lohmayer

Hochschule, Projekte

+49 (0)89-551 78-91-389
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