Bereits im Jahr 2010 und damit deutlich vor der Energiewende des Jahres 2011 hat die vbw mit ihrem Energiewirtschaftlichen Gesamtkonzept dargestellt, dass ein langfristiger Strukturwandel der deutschen Energieversorgung hin zu erneuerbaren Energien möglich ist - allerdings mit einem Zeithorizont bis 2040. Die vbw tritt für eine Energiewende ein, die zugleich Versorgungssicherheit, Preiswürdigkeit und Klimaschutz gewährleistet.
Nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima am 11. März 2011 und den Beschlüssen der Bundesregierung zur Energiewende hat die vbw untersucht, welche Voraussetzungen und Konsequenzen ein beschleunigter Ausstieg aus der Kernenergie bis 2022 für Deutschland hätte. Die Ergebnisse der ergänzenden Studie:
Versorgungssicherheit
Die Versorgungssicherheit ist in Deutschland rechnerisch gewährleistet. Allerdings nur, wenn die geplanten konventionellen Kraftwerke und Stromerzeugungsanlagen auf Basis erneuerbarer Energien zeitgerecht realisiert werden und ausreichende Netzkapazitäten zur Verfügung stehen.
In Bayern entsteht durch die sukzessive Abschaltung der Kernkraftwerke ab 2015 eine Versorgungslücke. Heimische Kapazitäten können die Jahreshöchstlast der Stromnachfrage nicht decken. Bayern wird längerfristig in erheblichem Umfang auf Stromimporte angewiesen sein. Bis 2023 steigt die Deckungslücke auf ein Viertel der Höchstlast an.
Die Versorgungslücke betrifft jedoch nicht nur Zeiten, zu denen sehr viel Strom benötigt wird: Auch in der Jahresbetrachtung reicht die Stromerzeugung bayerischer Kraftwerke ab 2020 nicht mehr aus, um die Nachfrage im Freistaat sicher zu decken. Wir gehen davon aus, dass Bayern im Jahr 2023 rund zehn Prozent der benötigten Strommenge aus anderen Bundesländern oder dem Ausland einführen muss.
Preiswürdigkeit
Die Industriestrompreise werden steigen – das ist inzwischen unstrittig. Erschreckend ist jedoch das Ausmaß: Zwischen 2010 und 2025 erhöht sich der Strompreis
- für die nicht energieintensive Industrie um 53 Prozent,
- für die energieintensive Industrieum knapp 41 Prozent.
Die Wettbewerbsfähigkeit der bayerischen Industrie wird durch diese Entwicklung dramatisch gefährdet. Hier muss die Politik gegensteuern.
Umweltverträglichkeit
Die mit dem Ausstieg verbundenen höheren CO2-Emissionen wirken sich negativ auf die Klimabilanz Deutschlands und Bayerns aus. In Bayern steigen die durch die Stromerzeugung bedingten CO2-Emissionen von 2010 bis 2023 um rund acht Millionen Tonnen auf insgesamt 15 Millionen Tonnen an.
Die deutschen Reduktionsziele von minus 40 Prozent von 1990 und 2020 können vermutlich noch knapp erreicht werden. Aufgrund der Vorgaben durch das Europäische Emisionshandelssystem (ETS) müssen die Mehremissionen in der deutschen Stromerzeugung aber durch eine Verringerung in anderen ETS-Staaten ausgeglichen werden. Das hat eine Verteuerung der CO2-Zertifikate zur Folge.

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